Online-Geschäftsbericht
2013/2014
Expansion
fördern.
Kontinuität
sichern.
Wir machen starke Unternehmen stärker.

BROETJE-AUTOMATION EXPANDIERT. WACHSTUMSPLÄNE WERDEN WIRKLICHKEIT.

Portfolio Broetje

„MEHR ALS
200 MIO. €
PROFITABLER UMSATZ“ IST DAS STRATEGISCHE ZIEL – EINE VERDOPPELUNG DES STATUS QUO

BROETJE-AUTOMATION IN ZAHLEN

BA ist weltweit vertreten und verfügt über Tochtergesellschaften in den USA und China sowie über mehrere Vertriebs- und Service- Stützpunkte in Amerika, Asien und Europa. Das Unternehmen erwirtschaftete in seinem Geschäftsjahr 2013/2014 (30. September) mit rund 550 Mitarbeitern – davon 384 an den beiden deutschen Standorten Wiefelstede und Jaderberg – gut 90 Millionen Euro Umsatz. Durch die jüngste Akquisition kommen rund 40 Millionen Euro Umsatz und 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hinzu.

WIE EIN MITTELSTÄNDISCHES UNTERNEHMEN STÄRKER WIRD.

„Das ist Uhrmacherhandwerk.“ Wirklich? Wer die großen, bis zu 15 Meter hohen Maschinen in der Produktionshalle im niedersächsischen Wiefelstede sieht, mag dieser Beschreibung kaum folgen. Und doch trifft sie das, was im Kern das Geschäft von Broetje-Automation ausmacht. 0,3 Millimeter, etwas mehr als der Durchmesser eines menschlichen Haares, beträgt die Toleranz für die Roboter, die die einzelnen Teile eines Flugzeugrumpfes vernieten. Eben doch Feinmechanik in ihrer höchsten Form. Präzise Operationen an großen Bauteilen verrichten sie, an Rumpfschalen, Leitwerken und Flügeln. Immer und immer wieder in der gleichen hohen Güte. Um rund einen halben Meter wird ein Flugzeug länger, wenn es in großer Höhe bei niedrigem Luftdruck unterwegs ist. Mehrere hunderttausend Nieten halten es dennoch zusammen – auch dank der exakten Arbeit der Maschinen und Anlagen von Broetje-Automation.

Die effektivsten Produktionsanlagen der Welt für die Luftund Raumfahrtindustrie zu entwickeln und zu bauen, das hat sich das Unternehmen vorgenommen. Damit hilft es seinen Kunden, ihre Produktionsprozesse zu optimieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. In der Entwicklung und Produktion vollautomatischer Nietanlagen für die Montage von Luftfahrzeugen, also von Flugzeugen und Hubschraubern, ist Broetje-Automation (BA) schon heute, 35 Jahre nach der Unternehmensgründung, mit Abstand Weltmarktführer.

Nietanlagen sind allerdings nur ein Teil in der Prozesskette einer Flugzeugfabrikation. Auch andere Verbindungstechnologien werden eingesetzt, denn moderne technische Fasern, wie etwa karbonfaserverstärkter Kunststoff (CFK), müssen anders verarbeitet und genietet werden als klassische Metallstrukturen. Für alle Technologien hat BA Automatisierungslösungen entwickelt. Das mittelständische Unternehmen lernt mit jeder Maschine, die es aufstellt, denn jeder Kunde hat einen ganz eigenen Produktionsprozess. Daraus hat BA die Fähigkeit entwickelt, komplette Montagestraßen schlüsselfertig zu planen und zu bauen – mit eigenen Maschinen, aber auch mit Fremdprodukten. Nicht umsonst nimmt das Unternehmen für sich in Anspruch, der Experte für effiziente Produktionsprozesse in seinen Zielindustrien zu sein.

INTERNATIONALER, GRÖSSER, MEHR TECHNOLOGIEN

Diese Stärke soll ausgebaut werden. Das Unternehmen will expandieren. Es will in neuen Märkten vertreten sein und neue Technologien anbieten. Das Portfolio vervollkommnen. In den kommenden drei Jahren soll der Umsatz mehr als verdoppelt werden. „200 Millionen Euro“ heißt die Zielmarke für 2017. Damit wäre Broetje-Automation der führende Anbieter im weltweiten Markt für Produktionslösungen in der Flugzeugindustrie.

„Wir müssen eine systemische Größe entwickeln, denn die Wünsche der Kunden werden vielfältiger“, begründet Bernd Schröder, einer der beiden Geschäftsführer, das Umsatzziel. „Nur wenn wir größer werden, können wir uns international und technologisch breit aufstellen, um die Chancen der Luftfahrtindustrie besser wahrzunehmen.“ (siehe Kasten „Produkte für einen wachsenden Markt“) Die Flugzeughersteller erhöhen ihre monatlichen Bauraten, Produktionsverfahren ändern sich. Diese Dynamik löst Investitionen aus, von denen BA profitieren will.

Da hilft es, dass das Unternehmen für seine neuen Eigentümer „Kerngeschäft“ ist. Bis 2012 war BA eine Drei-Prozent-Einheit im dreieinhalb-Milliarden-Umsatzpool eines Familienkonzerns. „Investitionsentscheidungen dauern dann schon einmal länger, mitunter werden kleine Einheiten angesichts der Prioritäten der großen weniger berücksichtigt“, erinnert sich Geschäftsführerkollege Ingo Körner. Denn Expansionspläne verfolgt das BA-Geschäftsführerduo schon seit Jahren, und zwar Expansion durch organisches Wachstum und durch Akquisitionen.

Bernd Schröder, Vorsitzender der Geschäftsführung

»WERTSTEIGERNDE INVESTITIONEN IN DAS UNTERNEHMEN SIND AUSDRÜCKLICH ERWÜNSCHT – AUCH DAS GEFÄLLT UNS AN DER DBAG . «
Bernd Schröder, Vorsitzender der Geschäftsführung

„WIR SIND ZU UNTERNEHMERN GEWORDEN.“

„Wertsteigernde Investitionen in das Unternehmen sind von Finanzinvestoren ja ausdrücklich erwünscht, auch das gefällt uns an der DBAG“, hebt Geschäftsführer Schröder hervor, erwähnt insbesondere die Unterstützung in M&A-Prozessen.

Bisher hat BA vier Akquisitionen unter Beteiligung der DBAG abgeschlossen. Gleich nach dem Gesellschafterwechsel wurde ein Unternehmen in Toulouse, vor den Toren der Zentrale eines Hauptkunden erworben. So hat die Gesellschaft ihre Stellung auf dem strategisch bedeutsamen französischen Markt ausgebaut. Der Kauf eines kleinen Unternehmens mit dem Spezialgebiet „optische Sensorik“ bildete die Basis für eine neue Produktfamilie, mit der der Nietprozess beschleunigt werden konnte.

Aus dem Portfolio eines Maschinenbauunternehmens kamen im Frühjahr 2014 Know-how und Patente zum Ausbau der eigenen Technologiebasis. Dazu wurde BA Composites gegründet. Die Tochtergesellschaft soll Maschinen für die Verarbeitung von Faserverbundbauteilen entwickeln und produzieren. Maschinen zur Verarbeitung jenes Materials also, das in neu entwickelten Flugzeugtypen immer häufiger eingesetzt wird. Auch in der Automobilindustrie sieht BA großes Potenzial. Eine erste Maschine wurde bereits entwickelt – Ergebnis eigener Forschung und Entwicklung, für die ein wachsendes Budget zur Verfügung steht.

Deutlich größer war der jüngste Unternehmenserwerb: Seit Ende 2014 gehört die Flugzeug-Montagetechnik des Dürr-Konzerns zu Broetje-Automation. Damit hat BA einen entscheidenden Schritt auf dem Weg hin zu einem Komplettanbieter getan. Auch dem 200-Millionen-Euro- Umsatzziel ist BA ein gutes Stück näher gekommen. Bisher wurde der Markt für Flugzeug-Montagetechnik nämlich im Wesentlichen von Anbietern geprägt, die nur einzelne Prozessschritte der Flugzeugproduktion abdecken. Durch den Kauf verbessert BA seine Fähigkeiten, komplette Montagelinien aus einer Hand anzubieten. Während BA in der Bohr- und Niettechnik für den Flugzeugbau führend ist, bietet die erworbene Einheit Fördertechnik sowie Systeme für die Positionierung und Vermessung von Bauteilen an. „Das eröffnet Wachstumschancen, die beiden Unternehmen allein nicht zugänglich gewesen wären“, bewertet BA-Geschäftsführer Schröder die Transaktion.

Portfolio Broetje

PRODUKTE FÜR EINEN WACHSENDEN MARKT

Wer täglich Berichte über kränkelnde Fluglinien und Kostendruck in der Luftfahrtindustrie liest, mag die Prognosen kaum glauben: Die Flugzeugindustrie wächst, und sie hat große Pläne. Die Zahl der Passagierflugzeuge weltweit wird sich in den kommenden 20 Jahren gut verdoppeln, von knapp 17.000 im Jahr 2014 auf mehr als 34.000 im Jahr 2033. Weil die meisten der heute fliegenden Maschinen dann erneuert sein werden, müssen bis dahin 30.000 Jets gefertigt werden. Die Welt ist größer als Europa. Die aufstrebende Mittelschicht in den Schwellenländern hat Geld und will reisen.

Dabei wird sie künftig nicht nur in Flugzeugen sitzen, die in den europäischen oder amerikanischen Fabriken von Airbus oder Boeing gefertigt wurden. Die etablierten Hersteller fertigen längst zumindest Teile außerhalb ihrer Heimatmärkte, Airbus in China sogar komplette Maschinen. Und: In China und Russland, aber auch in Indien entsteht eine eigenständige Flugzeugindustrie. Flugzeuge zu bauen ist auch eine Prestigefrage. Broetje-Automation will diese Fabriken ausrüsten. Erste Aufträge hat BA schon ausgeführt.

30.000
NEUE FLUGZEUGE IN
20 JAHREN

Wachstum soll auch das Servicegeschäft bringen, das ein anderes Risikoprofil als die Produktion von Maschinen und Anlagen hat: Es schwankt weniger, glättet so die Umsatzkurve. Und es gilt insgesamt als weniger riskant, verdient aber höhere Margen; damit steigt der Wert der Beteiligung. Wie bei anderen Unternehmen in ihrem Portfolio hat die DBAG deshalb in den Gesprächen mit dem BA-Management vor Beteiligungsbeginn darauf hingewirkt, dieses Potenzial zu erschließen. Wenige Monate nach dem Gesellschafterwechsel wurde die BA Services gegründet. Aus anfänglich fünf Millionen Euro Serviceumsatz sind mehr als 20 Millionen Euro geworden, Tendenz stark steigend. Die Zahl der Mitarbeiter in diesem Geschäft hat sich auf rund 100 verdoppelt.

Einen „höheren Freiheitsgrad“ für sich und seinen Geschäftsführerkollegen hebt Bernd Schröder als wesentliches Merkmal der neuen Gesellschafterstruktur hervor. Und: „Wir sind zu Unternehmern geworden.“ So wie rund ein Dutzend leitender Mitarbeiter, die wie Schröder und Körner jetzt ebenfalls an „ihrem“ Unternehmen beteiligt sind und von dessen Erfolg direkt profitieren. Das trägt dazu bei, dass alle an einem Strang ziehen. Besonders wichtig in einer Phase starker Veränderungen im Unternehmen. „Wir krempeln BA um, werden ein internationales Unternehmen mit weltweiten Dependancen. Wachstum wird überwiegend an ausländischen Standorten stattfinden. Um auf diesem Weg alle mitzunehmen, müssen wir viel kommunizieren“, erklärt Schröder. Über die Ziele des Unternehmens informieren er und Körner offen und regelmäßig. Alle sollen wissen, wohin die Reise geht. „Wir wollen ein multinationales Kompetenzteam werden.“ Dass eine Private-Equity-Gesellschaft Gesellschafter werden soll, habe seinerzeit zwar Nachfragen der Mitarbeiter ausgelöst. Und der Betriebsrat habe sich bei Kollegen anderer Unternehmen im DBAGPortfolio umgehört: „Die Business-Logik hat aber alle Zweifler überzeugt“, so Schröder.

Gut 15 Kilometer vom bisherigen Unternehmenssitz entfernt gibt es eine Baustelle. Dort wird investiert, aus zwei Standorten wird einer: attraktivere Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter, effizientere Produktionsabläufe, bessere Kommunikation. Sichtbares Zeichen für Expansion und Veränderung. Und für Stärke: „Wir wollen auch zeigen, wie modern und zukunftsfähig wir sind.“

5,6 MIO. €

INVESTMENT DER DBAG

77,9 %

ANTEIL DES DBAG FUND V

MBO

ART DER BETEILIGUNG

18,8 %

ANTEIL DER DBAG

MÄRZ 2012

BETEILIGUNGSBEGINN

548

MITARBEITER

UMSATZ in Mio. €Umsatz Broetje Automation GmbH

Wiefelstede, www.broetje-automation.de